Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich mal in die
Alte Wasserkunst in Bautzen zu einem KLARtext-Auftritt fahren würde. Dieser Turm ist eigentlich das Wahrzeichen von Bautzen und Millionen Menschen kennen dieses von Wenzel Röhrscheidt dem Älteren im
Jahr 1558 in seiner heutigen Form errichtete Gebäude aus persönlicher Ansicht oder zumindest von Fotos.Der sich nach oben verjüngende runde Turm mit den charakteristischen Rundbogenblenden und der
leicht nach hinten versetzten Turmspitze ist heute ein technisches Museum undein sehr beliebtes Ausflugsziel. Von der Aussichtsplattform hat man außerdem einen herrlichen Blick auf die
Spree, die Friedensbrücke oder das Lausitzer Bergland. Was hat das Ganze nun mit KLARtext zu tun? Bis vor wenigen Tagen gar nichts, aber jetzt eine ganze Menge. Von der Zusammenarbeit der Band
mit dem Maler und Texter Tom Glöß im Rahmen des TEROBI-Projek tes hatte ich ja unlängst hier berichtet. Seit 05.Juni sind Tom’s Originalbilder mit den Texten der entsprechenden KLARtext-Lieder
in den Räumlichkeiten des altehrwürdigen Gemäuers zu besichtigen. Vergangenen Sonnabend
wurde den geladenen Gästen und der interessierten Öffentlichkeit
diese Ausstellung in einer ganz besonderen Form präsentiert, denn neben dem Maler selbst war auch KLARtext anwesend. Nach ein paar erklärenden Begrüßungsworten konnten sich die Gäste
umschauen und die Band spielte später ca. 45 Minuten ein paar der in den Bildern verarbeiteten Lieder.
Es ging zwar eng zu in der Alten Wasserkunst, die Leute standen
beim Konzert zum Teil auf der Treppe, aber das hatte seinen ganz eigenen Reiz. Beim anschließenden Empfang kamen Künstler und Gäste bei entspannter, lockerer Atmosphäre weiter ins Gespräch. Nur
Lissi und ich konnten nicht mehr allzu lange bleiben, da wir noch einen anderen Termin in Spremberg hatten. Aber wir waren da gar nicht so traurig drüber, denn zum Wasserkunstfest im August wird
KLARtext ein komplettes Konzert spielen und außerdem stand uns ja auch noch der Sonntag bevor.
Der 21.06. ist bekanntlich der internationale Tag der selbstgemachten Musik. Weltweit spielen an diesem Tag Amateure und Profis in verschiedenen Städten auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Seinen
Anfang machte das Ganze mal in Frankreich. Deshalb heißen diese Veranstaltungen auch Fete de la Musique. Die Stadt Kamenz beteiligt sich seit ein paar Jahren auch an der Fete. KLARtext spielte dort
im Rahmen der Veranstaltung auf dem Markt, genau da wo einst auch mal die PUHDYS gespielt haben, bevor sie den Hutberg eroberten.
Als wir in Kamenz ankamen, war die Band schon beim
Soundcheck. Tom Glöß, der sympathische und „verrückte“(wohl gemerkt, im positiven Sinne) Künstler war auch wieder mit von der Partie. Die Band und Tom verstehen sich übrigens hervorragend und beide
Seiten haben Spaß an der Zusammenarbeit und profitieren voneinander. Mittlerweile kann man den Herrn Glöß wohl wirklich als beinharten Fan bezeichnen. Mich freut das
natürlich.
Kurz nach 18.00 Uhr legte KLArtext los und alles war bis anfangs
im grünen Bereich.
Die Band rockte drauf los, es waren viele aufmerksame
Zuhörer da und der Ton stimmte soweit.
Zu erwähnen ist, dass KLARtext einen Titel diesmal dem verstorbenen Musiker Bernd Nitzsche widmeten
und das war den Jungs wirklich eine Herzensangelegenheit, verband sie doch mit Bernd Nitzsche eine tiefe und jahrelange Freundschaft. Gitarrist Mario „Lakki“ Lakotta hat mit ihm zum Beispiel
auch in der F-Band gespielt. Lange bevor ich KLARtext kennenlernte, hatte ich die F-Band übrigens mal in Berlin auf der Gundermann-Party im Kulturhaus „Peter Edel“ gesehen.Das war genau am
16.11.2002. Nitzsche war später auch oft und gerne bei den Konzerten von KLARtext anwesend.Wenn Not am Mann war half er da auch schon mal beim Soundcheck und an der Technik
aus.
Ab und zu sah ich in den folgenden Minuten schon besorgt
zum Himmel, denn der Wind hatte stark zugenommen und trieb die Regenwolken über dem Marktplatz zusammen.
Es dauerte auch nicht mehr lange und es wurde von oben naß. Die
ersten Leute nutzten die naheliegenden Hauseingänge oder die Überdachung des Getränkestandes als trockenen Unterstand. Soweit wäre das ja auch kein Problem weiter gewesen, aber die Bühne war nicht
gerade wettertauglich. Es sammelten sich Pfützen auf der Bühne und das Wasser lief auch auf die Anlage und die ganzen Verteilersteckdosen waren auch schon in Mitleidenschaft
gezogen.
Inzwischen goß es wie aus Kannen.Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es irgendwo einen Stromschlag ooder
einen „Kurzen“gegeben hätte. Es war einfach nicht mehr zu verantworten, dass die Band weiter spielte. Folgerichtig brachen Veranstalter und Band das Konzert ab, da eine Wetterbesserung auch
nicht in Aussicht stand. So wurden aus den geplanten 60 leider nur 45 Minuten KLARtext live in Kamenz. Was mich bei all dem Ärger aber gefreut hat, war das faire Publikum. Die Kamenzer haben
der Band selbst bei dem miesen Wetter so lange es ging zugehört, hatten aplaudiert und sie hatten dann auch Verständnis für den Abbruch der Mugge.Da wir vollkommen durchnässt waren, fuhren Lissi und
ich dann auch ziemlich bald schnurstracks heim.
geschrieben von Gundolf